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Merishausen-Hinterburg


(Bild: )

2021-10-25 19:54:02
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Rettungsgrabung im Dorfzentrum   Ein Team der Kantonsarchäologie Schaffhausen gräbt derzeit mitten in Merishausen, wie der Kanton Schaffhausen berichtet.

Wo einst ein Bauernhaus mit Scheune stand, solle bald ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage gebaut werden. Die topografisch günstige Lage, die Nähe zu weiteren Fundstellen und die Grösse des Bauprojektes veranlassten die Kantonsarchäologie eine Auflage zuhanden des Bauprojektes zu erlassen.

Im März 2021 begleitete sie Baugrundsondierungen und stiess dabei auf eine fundreiche Schicht sowie mehrere Befunde (Pfostengruben, Gruben, mögliches Grubenhaus). In Absprache mit der Bauherrschaft wurde im August die Erde bis auf die archäologischen Schichten abgetragen.

Dabei zeichneten sich die Grundrisse von vier Häusern (sogenannten Grubenhäusern) und über hundert Löcher von Hauspfosten ab. Die eigentlichen Aushubarbeiten für den Neubau waren für Anfang Oktober 2021 geplant.

Die Menge an Befunden, deren Erhaltungsqualität, sowie die wissenschaftliche Relevanz, machten eine Rettungsgrabung unumgänglich. Die Dauer von drei Monaten führt zu einer kleinen Bauverzögerung.  Die Befunde werden nach den gängigen Standards untersucht und dokumentiert.

Auf Spezialuntersuchungen oder zeitintensive Arbeitsschritte werde bewusst verzichtet.    Wissenschaftliche Relevanz   Die Ergebnisse von Altgrabungen und insbesondere punktuelle Entdeckungen in den letzten fünf Jahren deuten darauf hin, dass in Merishausen ab dem Frühmittelalter (6. Jh. v.Chr.) eine Siedlung bestand.

Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes dürfte das in den umliegenden Abhängen anstehende Doggererz sein. Dieses wurde zu Eisen verhüttet, verarbeitet und exportiert.

Hinweis darauf liefern Schlackeschichten und Reste von Verhüttungsöfen. Bekannt seien zudem Gräber aus dem Frühmittelalter (6./7. Jh.), die sich an drei Stellen zu konzentrieren scheinen.

Sie deuten auf eine frühe Siedlung bestehend aus mehreren Gehöften hin. Hausgrundrisse aus dieser Frühzeit wurden aber bislang nicht angetroffen.

Die ältesten bekannten Siedlungsfunde stammen aus dem 10. Jh. Die kleinen Grabungsflächen (Einfamilienhausbauten, Anbauten, Leitungsgräben), ermöglichten keine Aussagen zur Grösse der Ansiedlung, der Bebauungsdichte, der Struktur oder der baulichen Entwicklung.

Die nun zu untersuchende Bauparzelle habe eine Fläche von 1000 m2. Bereits jetzt seien Hausgrundrisse mehrerer Gebäude erkennbar. Keramikfragmente und ein Knochenkamm deuten auf eine frühe Zeitstellung (6.-9. Jh.) hin.

Dank der guten Erhaltung und der Befunddichte werde es somit erstmals möglich, genaueres über die Anfänge von Merishausen (Morinishusun) und die Bedeutung der Eisenerzverhüttung herauszufinden. Eisenverarbeitung spielt für den Kanton Schaffhausen auch in jüngeren Epochen eine wichtige Rolle.

In Merishausen fassen wir die Anfänge dieser Entwicklung, die letztlich in der Ansiedlung des Industriekonzerns Georg Fischer gipfelt.      Nur selten gelingt es, innerhalb eines bestehenden Dorfes grössere Aufschlüsse über frühmittelalterliche Siedlungsformen und damit die Anfänge der heutigen Ortschaften zu gewinnen, weil die jahrhundertelange Bautätigkeit oft zur Zerstörung derselben führte..

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